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Funkauslöser für DSLR-Kameras

Steffen Barth (DG0MG) 31.08.07

Steffen und Playmobil-Polizist
Den Auslöser in der rechten Hand.
Manchmal braucht man für Fotoaufnahmen einen Fernauslöser.
Sei es, weil man selbst mit auf dem Foto sein möchte, weil man etwas Abstand zum Motiv braucht, weil man ein Tier fotografieren will, oder warum auch immer. Der eingebaute Selbstauslöser hilft nicht in jedem Fall. Man kann natürlich einen kabelgebundenen Fernauslöser benutzen, das ist aber meist nicht praktikabel (verheddern usw.).
Der fachkundige Leser wird nun sagen, kauf' Dir doch für 7,95 € einen Infrarot-Fernauslöser. Ja, stimmt - das geht bei den Canon-DSLRs der Einsteigerklasse (EOS 300D, 350D, 400D). Aber meine EOS 30D hat diese recht nützliche Erweiterung eines Infrarotempfängers nicht, kann also nur über die N3-Buchse (die auch noch völlig proprietär ist) ausgelöst werden. Also kommt der Bastler wieder zum Zuge und wir bauen uns eben selber was.

Ich brauchte also erstmal eine Funkfernsteuerung, die ich umfunktionieren kann.
Dazu eignen sich recht gut Funktürklingeln, weil Sender und Empfänger meistens batteriebetrieben sind (es gibt auch netzbetriebene!) und somit keine größeren Umbauten nötig sind und ein geringer Stromverbrauch ist immer von Vorteil, wenn man mal vergißt, auszuschalten. Beim Absuchen der umliegenden Baumärkte fiel mir eine Funkklingel für 6,99 € in die Hände, das Ding ist vollkommen ausreichend, wenn auch die angegebenen 100 Meter Reichweite eher illusorisch sind - 50 Meter sind realistisch.

Den Handsender (Ub=12V, Encoder-IC HX2262, HF-Modul OFW-stabilisiert im 433MHz-ISM-Band) lassen wir gleich so, wie er ist, er paßt in die Hosentasche. Der Empfänger im Klingelgehäuse bedarf einer etwas näheren Untersuchung. Es handelt sich um einen Pendelaudion, danach ein CMOS-Schaltkreis zum Invertieren des demodulierten Signals und dann ein Decoder-IC H2272-L4 (Kennzeichnung PDFDatenblatt). An den Ausgang dieses Decoders ist wiederum der Eingang des separaten Soundmodules angeschlossen, das den "Dinggg-Danggg-Donggg" erzeugt - das Soundmodul ist hochkant in die Klingelplatine eingelötet, das muss entfernt werden. Als nächstes schauen wir uns an, welches Pin des Decoders denn ein für uns nutzbares Schaltsignal bereitstellt. Das Pin 17 (VT - "Valid Transmission") geht von Low auf High, wenn man den Handauslöser drückt, und wieder auf Low, wenn man die Taste wieder losläßt. Das reicht eigentlich fast, man könnte nun einen Optokoppler ansteuern oder einen Treibertransistor samt einem Reed-Relais, um die Kamera potentialfrei auslösen zu können. Ich habe mich einfach für einen Kleinsignal-FET BS170 entschieden - da der Empfänger eh batteriebetrieben ist, braucht man keine Potentialtrennung. Ein zweiter BS170, ebenfalls mit dem Gate am Anschluß VT des Dekoders, steuert eine superhelle rote LED, um auch aus der Enfernung eine optische Kontrolle über die Funktion des Empfängers zu haben.

CANON-Kameras haben (soweit ich weiß) immer 3 Anschlüsse für den Remote-Auslöser: GND, Focus und Shutter. Normalerweise ist die Funktion so: Wird "Focus" mit GND verbunden, stellt die Kamera scharf und macht eine Belichtungsmessung (entspricht Antippen des Auslösers). Verbindet man dann zusätzlich noch "Shutter" mit GND, wird ausgelöst (entspricht durchdrücken des Auslösers). Es funktioniert bei meiner EOS 30D aber auch, nur den Shutter-Anschluß mit GND zu verbinden - die Kamera fokussiert und löst aus. Im Prinzip reicht das ja schon aus, das zweite Signal muß gar nicht über den Funkkanal übertragen werden. Meist wird man ja die Kamera sowieso auf manuellen Fokus stellen. Ein Problem gibt es aber bei dieser Verfahrensweise: Die EOS 30D wacht nicht mehr aus dem Schlafmodus auf - wenn sie ausgegangen ist, das ist doof. Dafür muß man nun wirklich auch noch das "Focus"-Signal ansteuern. Man macht das einfach über 2 Dioden, die die beiden Signale entkoppeln.

Dem Empfänger spendiert man noch ein geeignetes Gehäuse, und als Stecker kommt ein 2,5mm-Stereo-Klinkenstecker zum Einsatz, mit dem man ihn an den ADIDT-Remoteauslöser anstecken kann. Die elegantere Variante wäre, den N3-Stecker vom ADIDT abzuschneiden und daraus einen Adapter N3 -> Klinke 2,5mm zu löten. Dann kann man wie bei den "kleinen" EOSen alles mit Klinkensteckern machen, auch Verlängerungen sind dann preiswert zu bauen.


Schnurlose Klingel aus dem Baumarkt
Schnurlose Klingel aus dem Baumarkt (6,99 €).

Rückseite der Klingel
Rückseite der Klingel mit geöffnetem Batteriefach, rechts der Handsender.

Das Innere des Klingelgehäuses
Das Innere des Klingelgehäuses.

Leiterseite der Funkklingelplatine
Die Leiterseite der Platine.

Bestückungsseite der Funkklingelplatine
Die Bestückungsseite der Platine.

Platine mit Klangchip
Das hochkant eingelötete Subplatinchen mit dem Klangchip - diesen auslöten!

Handsenderplatine Leiterseite
Der Handsender von der Leiterseite.

Bestückungsseite der Handsenderplatine
Der Handsender von der Bestückungsseite.

fertiger Umbau
Funktionsfähiger Umbau, noch ohne die Kontroll-LED.

fertiger Funkempfänger im Gehäuse
Der fertige Funkempfänger im Gehäuse, der rote Draht ist die Empfangsantenne.

Nach dem Decoderschaltkreis sieht das schaltungsmäßig jetzt so aus, ein BS170 steuert die Kamera, der andere die LED:
Schaltplan des Funkauslösers

mehrere Aufnahmen in verschiedenen Entfernungen
Den Auslöser in der rechten Hand.
Wie oben erwähnt, versprach die Verpackung der Klingel eine Reichweite von 100 Metern, das konnte ich nicht bestätigen, aber im Bereich von etwa 50 Metern löst die Kamera sicher aus (im Freifeld, durch Wände geht das garantiert nicht so weit), was aber für einen Großteil der Anwendungen ausreichen dürfte. In der Entfernung hat man über die superhelle LED eine Bestätigung über das Auslösen, falls man das Auslösegeräusch der Kamera nicht mehr hört.

Siehe auch:

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