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Der Gefechtsbleistift

Steffen Barth (DG0MG) 12.1.2005

Vornweg: Ich bin niemand, der in irgendeiner Form an der NVA hängt/hing und der Zeit dort nachtrauert. Aber es gibt einige, heute lustig erscheinende Erinnerungen und ich darf mich sehr wohl über mich selbst lustig machen. Jawoll!

Warum diese Seite?

Weil GOOGLE zum Suchbegriff "Gefechtsbleistift" am 12.1.2005 keine Suchergebnisse liefert (siehe hier) und ich etwas zur Allgemeinbildung beitragen möchte. Ist das glaubhaft versichert?

Eigentlich fing die Geschichte mit dem Gefechtsbleistift Anfang Februar 1987 hiermit an, meinem Musterungsbescheid:

Musterungsbescheid NVA Vorderseite Musterungsbescheid NVA Rückseite

Naja, man bekam nach den üblichen Untersuchungen und Drohungen, was passieren würde, wenn man sich nicht länger als die obligatorischen 1½ Jahre verpflichten würde usw. das wohl Wichtigste überreicht, das Wehrdienstgesetz der Deutschen Demokratischen Republik:
Titelseite Wehrdienstgesetz der DDR Porträt Erich Honecker

"Es ist der Sinn des Soldatseins im Sozialismus, den Frieden zu erhalten, zu verhindern, daß die Waffen sprechen. Kampfkraft und Gefechtsbereitschaft der Armeen der sozialistischen Gemeinschaft sind eine entscheidende Garantie, daß militärische Überlegenheit des Imperialismus nicht zugelassen wird und eine Aggresion zum tödlichen Riskiko für ihre Urheber würde. Wehrdienst im Sozialismus ist Friedensdienst. Die Waffenträger der DDR sind Mitgestalter der auf den Frieden und das Wohl des Volkes gerichteten Politik der SED."

Erich Honecker im Bericht des Zentralkommitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands an den XI. Parteitag.
(April 1986)


Was ist denn nun ein Gefechtsbleistift? Geduld ... kommt noch.

Hundemarke
Meine "Hundemarke"
Selbstfahrlafette auf dem Marsch
SFL auf dem Marsch
Im Mai 1989 wurde ich dann doch einberufen, nach Frankenberg, das ist bei Chemnitz und war damals etwa 1.5 Bahn-/Busstunden entfernt, was noch ging. Kameraden aus Thüringen waren teilweise 4-6 Stunden unterwegs.
Frankenberg ist seit eh und je Garnisonsstadt, damals war dort das AR-7 (Artillierieregiment) der 7. Panzerdivision Dresden stationiert. Ich war in der 12. Batterie (das, was sonst "Kompanie" heißt) der IV. Abteilung Funker des BO (Batterieoffizier). Es waren nicht einfach Kanonen, sondern SFL (Selbstfahrlafetten) also leicht gepanzerte Kettenfahrzeuge, wie auf dem nebenstehenden Foto abgebildet. Das Führungsfahrzeug 1W13 des Batterieoffiziers war mit 3 UKW-Funkgeräten R123 ausgestattet und konnte im Gelände mit recht beträchtlichen Geschwindigkeiten fahren. Saß man dabei im Heck des Fahrzeugs, war man regelrecht froh, die Panzerhaube auf dem Kopf zu haben, denn man wurde mächtig herumgeschleudert und mußte sich gut festhalten, um sich nicht allzuviele blaue Flecke zu holen.
Gefechtsbleistift
Der Gefechtsbleistift
Militärfunker verwenden normalerweise beidseitig angespitze Bleistifte - falls die Spitze abbricht, wird er einfach umgedreht. Natürlich wäre ein normaler Stift nach einer Geländefahrt im Fahrzeug überall zu finden, nur nicht auf dem Tischchen des Funkers, was bei einem plötzlich ankommenden Funkspruch oder Feuerkommando, das blitzschnell an die Geschütze weitergegeben werden muß, fatal wäre. Dazu gab es die geniale Erfindung des Gefechtsbleistifts, ein normaler Druckbleistift, der mit etwa einem Meter Plombenschnur im Inneren am Fahrzeugdach befestigt und somit immer greifbar war, weil er einem quasi vor der Nase hing. Doch warum ausgerechnet Plombenschnur? Weil in der NVA eine Art Plombierfanatismus herrschte, es wurde alles und überall plombiert. Sogar die Tanks mit dem Scheibenwischwasser der Panzer, was ich als besonders absurd in Erinnerung habe. Darum war Plombenschnur nicht in kleinen Knäueln, sondern in großen Bunden oder Rollen von ein paar hundert Metern vorhanden und man nahm eben, was da war ...

Geheimnisse
Geheimnisse auf Schreibfolie
Geschrieben wurde in Funkerjournale oder auf selbergebastelte Kärtchen aus Pappe, die mit sogenannter Schreibfolie umhüllt waren, eine mattierte Plastikfolie, auf der man mit Bleistift schreiben konnte (Gibts sowas noch?). Hinterher war das dann wieder wegzuradieren. Selbstverständlich herrschte im Bereich Funk/Nachrichten auch eine strenge
Funkerjournal
Funkerjournal
Geheimhaltung, als Funker wußte man nur die Frequenzen, die einen selber etwas angingen. Aber natürlich bekam man auch mal eine Liste mit Frequenzen und Tarnnamen der Abteilung in die Hände und hatte nichts Besseres zu tun, als das abzuschreiben :-) (siehe Bild rechts).

Zum Schluß noch ein Scan einer Originalseite meines Funkerjournals. Ich weiß nicht mehr genau, aber es könnte von einer Übung auf dem Truppenübungsplatz Nochten stammen ...

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