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Der Hupomat
Hupomat Eigentlich ist die Entstehung der folgenden Geschichte interessanter, als die Geschichte selbst, was auch der Grund ist, weshalb ich sie aufschreibe .
Es war am 30. April 2005, auf dem Gelände des ehemaligen IFA-Werkes in Werdau fand das 8. große Oldtimertreffen (siehe Google) statt. Gegenüber steht (noch) der Fabrikkomplex Zweiga Werk I Ruppertsgrün, ein Betriebsteil des Betriebes, in dem ich zu DDR-Zeiten mal gearbeitet habe. Eigentlich wollte ich nur mal aufs Dach, um von dort ein paar Fotos herüber zur IFA zu schießen, aber ich habe mich dann doch etwas länger dort aufgehalten und aus Sentimentalitätsgründen alle Hallen und Gebäude durchstreift und ein paar Fotos gemacht. Eine Instandhaltungswerkstatt (und nicht nur diese, sondern eigentlich alle) fand ich so wie auf nebenstehendem Bild vor, verwüstet und nichts, aber auch gar nichts Mitnehmenswertes mehr zu finden.
Zweiga-Gebäude

Zweiga-Gebäude

Instandhaltungswerkstatt

Werkstatt mit Hupomat

Allerdings erregte dann doch ein auf dem Tisch stehendes Kästchen mein Interesse (über der linken, offenen Schublade) und mir schoß der Gedanke durch den Kopf "Das kennste doch!". Es war der HUPOMAT! Juchuu! Ich hatte etwas gefunden, was ich selbst 15 Jahre zuvor gebaut hatte! Na, wenn das kein Grund zur Freude war! Dieses Teilchen konnte ich unmöglich stehen lassen. Ich habs also erstmal mit nach Hause genommen. Ich war sicher, noch die zugehörigen Konstruktionsunterlagen zuhause zu haben und bin also erstmal auf den Dachboden ... Sekunden später hielt ich den Umschlag mit sämtlichen Informationen in der Hand. Manchmal muß man "das alte Zeug" schon aufheben!

MMM-Logo Was war nun der Hupomat? Erstmal war es ein sogenannter Neuerervorschlag. Dazu muß man wissen, daß es in der DDR die sogenannte Neuererbewegung gab, eng verknüpft mit der MMM-Bewegung ("Messe der Meister von morgen"). Offiziell war der Sinn, die Werktätigen zu animieren, Lösungen zu finden, die die Produktion ökonomischer machen, Importe durch einheimische Produkte zu ersetzen usw., im Endeffekt also dem Sozialismus zum Siege zu verhelfen. Selbstverständlich gab es für einen angenommenen Neuerervorschlag auch eine Prämie, deren Höhe sich nach dem volkwirtschaftlichen Nutzen richtete. Inoffiziell wurden tlw. Neuerervorschläge nur der Prämie wegen gemacht und die MMM hieß "Max-und-Moritz-Messe".

Ich lasse jetzt hier mal offen, welche Intention der Hupomat verfolgte, irgendwie kann ich mich auch gar nicht mehr so recht erinnern. Aber wozu war er gut? Auch hier muß sich der geneigte Leser einen weitverzweigten sozialistischen Betrieb vorstellen. Eine Spinnerei, Dreischichtbetrieb, Probleme an allen Ecken, eine unerträgliche Lautstärke in den Spinnsälen und nun kommt ein Anruf für den technischen Leiter aus dem Betriebsteil am anderen Ende der Republik. Dieser kommt in der Telefonzentrale an und die Telefonistin (meistens waren das Rentner) steht nun vor der Aufgabe, den technischen Leiter ans Telefon zu bekommen. Er treibt sich aber irgendwo in den Produktionshallen herum. Heutzutage hätte er einen Piepser, ein Schnurlostelefon oder gleich ein Handy am Mann, aber wie funktionierte das in der DDR? Eigentlich ganz einfach. Eine Pausenklingel (oder -Hupe) gab es in jeder Produktionsabteilung. Diese wurde ja eh von einer Zentraluhr gesteuert. Man gab nun der Telefonistin einfach einen Taster an den Arbeitsplatz, mit der sie die Pausenhupe im gesamten Betriebsteil betätigen konnte. Über eine interne Festlegung wurden einfach den wichtigsten Leuten Rufzeichen zugeordnet (z.B. technischer Leiter: 2x hupen) und wenn er also "ausgehupt" wurde, suchte er sich einfach das nächste Telefon in der Produktion und ließ sich von der Zentrale mit dem Anrufer verbinden.
Leider hat das auch nicht immer ganz so gut, wie in der Theorie funktioniert, und so kam ich mit meinem damaligen Kollegen Christian Weber auf die Idee, etwas Elektronik für diesen Zweck einzusetzen. Aus heutiger Sicht wird man das "Spielzeug" nennen, aber damals haben wir uns gefreut, etwas Sinnvolles mit einem Prozessor gebaut zu haben. Wie die Funktion genau war, entnehme man bitte den Scans der Gerätebeschreibung weiter unten.


Hupomat

Frontansicht

Rückansicht

Rückansicht

Bedienteil

Bedienteil

Innen1

Innenansicht

Innen1

Innenansicht


Bemerkenswertes Detail ist der Aufkleber auf dem Löschfenster des EPROMS: 16 Jahre und einen Monat zuvor hab ich ihn gebrannt Den Zustand des Gerätes hab ich für die Fotos extra mal so gelassen, wie er beim Auffinden war, nämlich total dreckig und tlw. verrostet.

Das Programm im EPROM ist nicht etwa in einer Hochsprache geschrieben, sondern in Maschinensprache und zu allem Unglück hatten wir damals nicht einmal einen richtigen Assembler für diesen Prozessor, sondern ich habe den Programmcode von Hand assembliert und die Sprungmarken usw. durch Abzählen ermittelt, siehe auch die Konstruktionsnotizen 3.

Die noch vorhandenen Unterlagen habe ich auch mal eingescannt:

Leider fehlen mir Unterlagen darüber, welchen volkswirtschaftlichen Nutzen wir für das Gerät damals festgelegt haben ...

Siehe auch:



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