Technik |  Romanhefte |  Fotografie |  Wer? |  Wo? |  Humor |  Webcam |  Gästebuch |  Sitemap | 
 
Linke obere Ecke Rechte obere Ecke
Mein neuer Router

Steffen Barth (DG0MG) 15.04.2005

  1. Beschreibung
  2. Reparatur
  3. Einbau Fritz!Card DSL

Beschreibung

Eigentlich hatte ich das ja schon lange vor, meinen Eigenbau-Router/Webserver/Firewall (siehe Seite Mein Heimnetzwerk) generalzuüberholen, da er ein bisschen langsam ist. Nun sollte aber auch kein normaler PC diese Aufgabe übernehmen, da er im 24/7-Betrieb läuft und geringste Geräuschentwicklung sowie natürlich geringe Stromkosten wichtige Anforderungen sind. Beim Recherchieren stößt man unweigerlich auf Mainboards der Firma VIA, die im Mini-ITX-Formfaktor (17*17 cm) gebaut sind und tlw. bereits einen nichtwechselbaren, stromsparenden Prozessor und jede Menge verschiedene Schnittstellen auf dem Mainboard besitzen. Hierbei habe ich mich für das VIA EPIA PD entschieden - insbesondere, weil es sich lüfterlos betreiben läßt und zwei Netzwerkschnittstellen besitzt, weiterhin: EPIA PD Mainboard
  • VGA (plus LVDS-Anschluß für TFT-Displays)
  • Digital-In/Out (4 In, 4 Out, z.B. für Steuerungsaufgaben)
  • PS/2 Tastatur
  • PS/2 Mouse
  • 4 COM-Schnittstellen (1 herausgeführt, 3 auf Pfostensteckverbindern)
  • LPT-Schnittstelle
  • 6 USB-2.0-Ports (4 herausgeführt, 2 als Pfosten für Front-USB)
  • Audio (Line-Out, Line-In und Mic)
  • 1 PCI-Steckplatz
  • 2 UltraDMA 133/100/66 Anschlüsse
  • ATX-Steckverbinder, WOL usw.

Ein geeigneter Lieferant für das Board ist die Firma HRT Informationstechnik GmbH (www.mini-itx.de), hier kann man auch gleich ein passendes Gehäuse mitbestellen, ich habe mich für das Morex Cubid 2688V entschieden, es hat ein externes Netzteil und besitzt Platz für eine 3.5" Festplatte.
EPIA PD Mainboard Gehäuse Morex 2688 Spannungswandlerplatine Gehäuserückseite Festplattenaufhängung
Nach der Bestellung und Lieferung hatte ich also Mainboard und Gehäuse samt diversem Zubehör vor mir. Nach dem Fotografieren gings ans Zusammenschrauben, das war schnell erledigt und alles paßte hervorragend. Das Board wurde mit 512 MB DDR-RAM versehen, das ist sicher mehr als genug für den späteren Einsatz. Auf den Einbau eines Slim-CD-Laufwerks oder Diskettenlaufwerks habe ich verzichtet, zum Installieren wird provisorisch ein normales CD-LW angesteckt. Zwar kann man eine 3.5"-Festplatte einbauen, ich verwende aber eine langsame 80GB-2.5"-HDD von Toshiba mit 4700 U/min, die in einer Eigenbau-Gummiaufhängung montiert ist, um den Stromverbrauch und die Geräuschentwicklung gering zu halten. Ein 2.5"-3.5"-Adapter erlaubt den Anschluß ans Board mit einem Standard-IDE-Kabel.
Im Inneren des Gehäuses befindet sich eine Spannungswandlerplatine, die die vom externen Netzteil kommenden 12 Volt auf die ATX-üblichen Spannungen umsetzt. Weiterhin besitzt das Gehäuse 2 kleine Lüfter, von denen einer überwacht ist. Durch die relativ geringe Verlustleistung ist ein Anschließen dieser jedoch nicht nötig.

Windowsinstallation Ich habe dann mal den Rechner mit @work genommen und dort die Installation verschiedener Systeme ausgetestet:
  • Knoppix
    Es wurden alle Hardwarekomponenten erkannt, nach dem Booten war ohne weitere Konfiguration surfen im Internet über DHCP und Router möglich.
  • Windows XP SP2
    Windows XP Screenshot 3DMark Screenshot
    Für die Installation von Windows XP muß man etwas Geduld mitbringen, schließlich werkelt nur ein Prozessor mit einer Taktfrequenz von 600 MHz. Nach der Installation sieht der Gerätemanager noch schlimm aus, allerdings wird eine der beiden Netzwerkkarten von Windows erkannt und ein Internetzugang zum Laden weiterer Treiber ist kein Problem.
    Nach dem Installieren aller Treiber ist der Gerätemanager sauber, siehe Screenshot. Aus Interesse hab ich mal den Spiele-Benchmark 3DMark 2003 laufen lassen, das Ergebnis gehört aber fast in die Rubrik Humor Smiley. Allerdings läßt sich "Moorhuhn2" relativ brauchbar spielen - Solitär sowieso.
  • Arktur 3.5.6 (Linux-Schulserver)
    Die Installation läuft problemlos, beim Einrichten der beiden Netzwerkkarten im Sysadm-Menü ist der Typ VIA-RHINE auszuwählen. Nach dem Einrichten der zweiten Netzwerkkarte waren eth0 und eth1 vertauscht, aber dieses Problem ist bekannt. Ich habe auf Arktur einen Internetzugang über einen Router konfiguriert und dann squidguard nach der Anleitung vom Medienzentrum Oberberg installiert, was problemlos gelang. (squidguard wollte ich schon immer mal testen Smiley)
  • Suse Linux 9.2
    Bei SuSE das ca. 65 MB große ISO-Image für die Netzwerk-Installations-CD geladen, gebrannt und die Installation angeworfen. Eine "Standardinstallation" incl. KDE geht auch nicht viel flotter, als die des vergleichbaren M$-Produkt aus Redmond (unabhängig von der Downloadgeschwindigkeit). Eine Rakete ist das Board im grafischen Betrieb natürlich auch nicht. Der zweite Versuch war dann eine Minimalinstallation ohne Grafik, wie es später auch laufen soll.

Inzwischen ist er im Einsatz, das ging ruckzuck, die Daten vom alten Webserver (MySQL-Datenbank und HTML-Files) übernommen und Apache2, Samba und Mysql eingerichtet. Ein schwerwiegendes Problem tauchte jedoch auf: Etwa alle zwei Tage fror der Rechner ein, war unbedienbar und nur noch der RESET-Taster half. Die Logdateien gaben nicht den geringsten Hinweis auf die Ursache. Ursprünglich vermutete ich doch ein Wärmeproblem (z.B. am RAM-Modul, das doch ganz schön warm wird) und habe testweise die Lüfter mal laufen lassen, das hat aber keine Abhilfe gebracht. Mittlerweile ist das aber schon seit längerem nicht mehr aufgetreten, und zwar seitdem ich im YAST unter "System"->"Powermanagement" das Schema für "Wechselstromanschluss" wieder auf "Leistung" gestellt habe, nach der Installation hatte ich "Energiesparen" gewählt.

Reparatur

Dreieinhalb Jahre später (im November 2008) setze ich den obigen Text fort. Eines Morgens hat mein PC kein Internet, um die Emails abzurufen. Im Systray die Meldung "eingeschränkte Konnektivität" - es musste also ein lokales Problem sein. Da am Router/Server weder ein Monitor noch eine Tastatur steckt, blieb als Schnellreparatur nur das Drücken des RESET-Tasters. Die HDD-LED zuckt, das Linux schien ein fsck zu machen und wieder hochzufahren. Nunja, einmal ist keinmal, Internet ging wieder. Im Laufe des Tages ist der Router aber wieder ausgestiegen, ich konnte jedenfalls @work nicht mehr auf ihn zugreifen. Also am Abend dochmal ein Keyboard und einen Monitor rangesteckt - upps, einen Kernel-Panic auf dem Schirm und ansonsten unbedienbar. Also nochmal RESET, wieder bootet das Linux, fängt fsck an und bleibt stecken. Nun, das sah mir nach defekter Festplatte aus, weshalb ich dann erstmal das DSL-Modem direkt an den PC gesteckt habe und die Breitband-DFÜ-Verbindung aktivierte, um wieder ins Internet zu kommen.


aufgeblähte Elkos
Aufgebläht.

aufgeblähte Elkos
Ebenso.

aufgeblähte Elkos
Geplatzt und ausgelaufen.
Nach dem Aufschrauben des Gehäuses zeigte sich aber schon bei der Sichtprüfung, dass die Fehlerursache eine andere war: Die auf dem Mainboard verteilten Elkos waren zum großen Teil aufgebaucht, tlw. auch geplatzt und Elektrolyt ausgelaufen. Das ist (leider) ein üblicher Fehler bei Geräten (wie Mainboards, Schaltnetzteilen, Monitoren), die sich im Dauerbetrieb befinden und ein wenig Wärme produzieren.


neue Elkos im Briefumschlag
Lieferung mit Ersatz-Elkos.
Für ein normales Mainboard ist das das Todesurteil - üblicherweise werden die im professionellen Bereich nicht repariert, sondern gleich komplett ausgetauscht, da nicht sooo teuer. Die Neuanschaffung eines ITX-Boardes schlägt aber doch ein ganz schönes Loch in die Kasse, so dass ich eine Reparatur wenigstens versuchen wollte. Ich brauchte also eine Quelle für Low-ESR-Elkos (mit besonders niedrigem Innenwiderstand) von 8x 1000µF/6,3V und 4x 1000µF/10V. Eine Anfrage beim lokalen Elektronikhändler brachte einen Preis von 2.- EUR pro Elko und Abgabe nur 10 stückweise zutage, der mir trotz der extra Beschaffung etwas sehr hoch schien - das wären 40 EUR gewesen. Im Internet gibts alles, auch die benötigten Elkos: Bei www.elko-verkauf.de bekommt man die Elkos für 1.- EUR/Stück und in kleinen Stückzahlen mit moderaten Portokosten. Die 12 Elkos bekam ich also schnell und für unter 15 EUR incl. Porto.

Mainboard ohne Elkos
12 defekte Elkos entfernt.
Also los, mit 60W-Lötkolben und Entlötpumpe alle 12 Bösewichte auslöten. Waaas? mit einem 60W-Eisen gehst du an das filigrane Board? Ja, durch die großen Kupferflächen für Masse und Spannungsversorgung bekommt man sonst nicht genug Hitze auf die Lötaugen des 7-Layer-Boards, damit das Zinn überhaupt schmilzt. Ist also nichts für jemand, der selten lötet - es muss schon etwas fix gehen, sonst verbrät man die Platine. Trotzdem ist das Befreien der Löcher vom restlichen Zinn eine ziemliche Sauarbeit - danach drängeln würde ich mich nicht. Einen Ent-Lötkolben mit Vakuumpumpe habe ich leider nicht.

BIOS-Chip neu programmiert
Lieferung mit neuem BIOS-Chip.
Tjaa, nun waren die 12 neuen Elkos wieder eingelötet , aber wie Murphy es so will, war das noch nicht das Ende. Mainboard testweise angesteckt - geht. Wie oben beschrieben hatte ich zu Beginn ein kleines Problem mit dem Linux, auf dem Board ist eine BIOS-Version 1.03, auf der Seite von VIA gibts eine 1.05. Ahaa, vielleicht behebt das ja einige Problemchen. Boot-CD gebrannt mit DOS-Flash-Programm, CD-Laufwerk angesteckt (weil kein Floppy-Anschluss auf dem Board), von der CD gebootet, A:>VIAFLASH i0e00105.bin, checke dieses, checke jenes, programming - und dann stand er.
1 Minute, 3 Minuten, 10 Minuten, ne halbe Stunde. Kein Fortschrittsbalken und keine Reaktion auf die Tastatur. Irgendwann hab ich dann RESET gedrückt und logisch - das übliche "PIEP" nach überstandenem POST blieb aus und der Bildschirm schwarz. Ich hätt' mich in den Hintern beissen können! Wieder im Netz gesucht und die Firma BIOSFLASH gefunden. Eine Bestellung zu moderatem Preis ausgelöst, den Flashrom-Inhalt per Mail hingeschickt und zwei Tage später war ich im Besitz eines neuen BIOS-Chips. Diesen in die Fassung gesetzt, eingeschalten .. und ..: "PIIIIEP!!" Hahaaa! Es lebt wieder! Und endlich hab ich alles zusammengebaut und der Router tut hoffentlich wieder eine Weile seinen Dienst.

Einbau einer Fritz!Card DSL anstelle eines externen DSL-Modems


Fritz!Card DSL
Fritz!Card DSL v2.0.

Flexible PCI-Risercard
Flexible PCI-Risercard.

Risercard eingebaut
Die Riser- und die Fritz!-Card eingebaut.

Gesamtansicht EPIA-Router mit FritzCard DSL
Gesamtansicht.
Wenn ich nun einmal beim Basteln war, habe ich gleich noch etwas umgesetzt, was ich schon lange vorhatte, nämlich das betagte (aber durchaus gute!) Telekom-DSL-Modem in den Ruhestand zu schicken. Das Morex-Routergehäuse hat eine Öffnung für eine Erweiterungskarte, das Mainboard einen PCI-Steckplatz. Man müsste doch einfach ein internes Modem verwenden können?
Aber wir haben ja Linux, da ist das eventuell nicht ganz so einfach. Etwas Recherche ergab: Es geht. Aber nur mit internen DSL-Modems von AVM. Etwas Ausschau bei ebay gehalten und schon war eine AVM Fritz!Card DSL v2.0 für 1,50 EUR meine - zwar ohne Schachtel, Kabel und CD, aber wer braucht das schon.
Als nächstes war noch eine sog. Riser-Card notwendig, denn die Einsteckkarte passt ja nicht hochkant auf dem Mainboard stehend in das Gehäse, wie bei einem Standard-PC, sondern muss liegend eingebaut werden. Die Riser-Card ist nichts anderes, als ein PCI-Bus-Stecker und eine Buchse, also quasi eine Verlängerung. Wenn man nicht die genauen Maße hat, ist es besser, eine flexibles Exemplar zu ordern, da hat man etwas Spielraum.
Nachfolgend habe ich mal die nötigen Arbeitsschritte dokumentiert (HOWTO), um die Karte unter SuSE 9.3 lauffähig zu machen, da es einen Nicht-Linux-Guru wie mich doch einige Stunden Forschungsarbeit gekostet hat:

Fritz!Card DSL v2.0 unter Linux SuSE 9.3
  • Karte einbauen
  • Yast -> Netzwerkgeräte -> ISDN -> "AVM Fritz!Card DSL v2.0" wird erkannt
  • konfigurieren: Aktivieren bei Systemstart, Warnung: "Kein Quellcode veröffentlicht"
  • DSL-CAPI-Schnittstelle hinzufügen
  • erforderliche Pakete installieren (werden vorgeschlagen):
    • avm_fcdsl
    • capi4linux
    • i4l-base
    • i4l-isdnlog
  • drdsl wird selbstständig ausgeführt, funktioniert aber nicht
  • reboot
  • ftp://ftp.avm.de/cardware/fritzcrd.dsl_v20/linux/suse.93/fcdsl2-suse93-3.11-07.tar.gz herunterladen und auspacken
  • Darin befindliches Skript ./install ausführen
  • reboot
  • drdsl händisch ausführen, sollte etwas wie:
    Found remote vendor: U-R2 (ADI)
    Testing different config values, please wait...
    Found values for remote vendor!
    Found following values for DSL:
            controller 2
            protocol   adslpppoe
            vpi        1
            vci        32
            vcc        1
    ausgeben.
  • YAST -> Netzwerkgeräte -> DSL -> andere (nicht konfigurierte) -> PPP-Modus: CAPI für ADSL, Geräteaktivierung bei Systemstart, unter "IP-Details": als Standdardroute. Die bisherige Verbindung mit PPP over Ethernet auf "manuelle Aktivierung" setzen, falls irgendwann nochmal benötigt.
  • im eigenen Firewallskript, das WAN-device von dsl0 in dsl1 ändern.
  • Nach dem Einschalten geht der Router ohne weiteres Zutun online, so wie das sein sollte.


Siehe auch:

Externe Links



Startseite Seitenanfang Mail an Steffen schreiben Seitenstatistik Valid HTML 4.0 Transitional 859352   seit 22.9.2002  

Seite vom: 29.11.2008, 17:09 Uhr (Seite #18)

Linke untere Ecke Rechte untere Ecke