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Violet Wand - Hochfrequenzheilgerät

Steffen Barth (DG0MG) 16.10.07

s/w-Grafik: Sportler mit Heilgerät
Ein Bekannter bat mich, doch mal zu schauen, ob ich ein altes Hochfrequenzheilgerät (im Englischen auch "Violet Wand" genannt) wieder in einen funktionsfähigen Zustand versetzen kann. Dieses Gerät habe ich hier einfach mal in Bildern dokumentiert. Es war nichts weiter kaputt, nur das Kabel zwischen Grundgerät und Handteil - bestehend aus stoffumsponnener Gummileitung hatte eine Unterbrechung. Der Gummi ist im Laufe der Jahre hart geworden und das Kabel bewegt sich schwerfällig, wie ein dünnes Bleirohr. Das ist bei Netzanschlußkabel ebenso, aber dessen Zustand war erheblich besser, weshalb ich es gelassen habe - des alten Touches wegen.

Früher wurden solche Apparaturen, die nach dem Prinzip des Tesla-Transformators arbeiten, zur Heilung aller möglichen Krankheiten verwendet - ob das funktioniert hat, möchte ich nicht weiter ausführen, vielleicht aber zumindest durch den Placebo-Effekt. Ich hätte aber arge Bedenken gegen diverse Behandlungsmethoden, mit einem Gerät, das direkt mit dem Stromnetz verbunden ist. Was man heutzutage noch damit anstellt, wenn man sich nicht nur an sprühenden Funken und leuchtenden Glasröhren erfreuen kann, überlasse ich dem Leser, mittels seiner bevorzugten Suchmaschine herauszufinden.


Violet Wand Koffer geöffnet
Das Köfferchen.

Violet Wand Koffer mit Netzkabel und Handgerätekabel
Koffer mit Netzkabel und Handgerätekabel.

Violet Wand Glas-Elektroden
Die gasgefüllten Glaselektroden.

Der 1926 von der Firma "Velmag Leipzig" hergestellte Apparat vom Typ "Frequenta"kommt in einem kleinen Köfferchen von etwa 32*20*11 cm daher, das im linken unteren Bereich Platz für das Verstauen der Kabel und des Handelektrodenteiles bietet, darüber befindet sich eine herausnehmbarer, samtbesetzter Einsatz mit 7 verschiedenen Glaselektroden - allesamt noch in Ordnung. Im rechten, nicht herausnehmbaren Bereich befindet sich das elektrische Herz unter einer noblen, polierten Pertinax-Frontplatte.

Das Innenleben ist nicht weiter kompliziert, es handelt sich um einen Wagnerschen Hammer, mittels des Stellknopfes kann der Abstand des Unterbrecherkontaktes beeinflußt werden, was sich auf die Stärke der Funken auswirkt. Die beiden Kondensatoren sind offenbar Folienkondensatoren, aus Ölpapier gewickelt.

Die zweiadrige Leitung zur Handelektrode habe ich durch PVC-Leitung ersetzt, im Inneren ist dann die eigentliche Tesla-Spule. Deren Primärwicklung besteht aus 12 Windungen Kupferdraht, wobei der Draht aus drei parallelgeschalteten und nebeneinandergewickelten Einzeladern von etwa 0,7 mm Durchmesser besteht - Kupferquerschnitt also 3,5 mm², das ist dicker als die Zuleitungsadern in der Leitung. Die Sekundärspule hat keine galvanische Verbindung mit der Primärspule (die ja auf Netzleitungspotential liegt), das "kalte" Ende wird also wohl durch die Handkapazität oder kapazitiv über die Primärwicklung geerdet. Für den Hersteller war das wohl auch wichtig zu erwähnen: "Erdschlußfrei" steht auf der Plakette auf der Gerätefrontplatte. Es wird da wohl auch Geräte gegeben haben, bei denen dann die Sekundärspule galvanische Verbindung zum Stromnetz hatte - brr, nicht auszudenken.


Innenaufbau Violet Wand Oberseite
Innenaufbau, links und rechts die Kondensatoren.

Violet Wand hölzernes Anschlußbrett innen
Verteilerleiste.

Violet Wand Innenansicht mit Wagnerschem Hammer
Die andere Seite, in der Mitte die Unterbrecherspule mit Kern aus Eisendrähten.

Nahansicht des Wagnerschen Hammers
Der Wagnersche Hammer, der Gewindestift in der Mitte ist der von außen zugängliche Stellknopf.

Handelektrode geöffnet
Die Handelektrode mit der Teslaspule, auf dieser die Primärwicklung.

Den Schaltplan habe ich dem interessierten Leser auch mal aufgezeichnet - ich denke, die Funktion wird halbwegs ersichtlich:
Schaltplan des Violet Wand/ Circuit Plan / Schematic

Violet Wand Glaselektroden
Die gasgefüllten Glaselektroden in verschiedenen Formen.

Violet Wand Spitzenelektrode und Finger mit Funken
Eine der isolierten Elektroden in Betrieb.

Violet Wand Augenelektrode leuchtend am Finger
Die Augenelektrode.

Violet Wand Hals- und Nackenelektrode
Hals- und Nackenelektrode.

Violet Wand Kammelektrode
Kammelektrode.

200W-Glühlampe mit Gasentladungen
Auch große Glühlampen sehen sehr interessant aus.

 

 

 

 


Download:
Die Kennzeichnung PDFBedienungsanleitung für
das Heilgerät (gescannt, ca. 9 MB, PDF).

Auf den Fotos sehen in den Finger springende Funken schlimmer aus, als sie sich wirklich anfühlen. Je nach Entfernung der Elektrode gehen die Empfindungen von hunderten zwickenden Nadelstichen (Elektrode auf Abstand) bis zu angenehmer Wärme (Glaskolben direkt auf die Haut aufgesetzt). Einen zusätzlich psychologischen Effekt haben natürlich das "elektrisch" (prasselnd,klappernd) klingende Grundgerät, die violett-rot leuchtend-flackernde Elektrode und der in der Luft liegende Geruch von Ozon.
Interessanter Effekt nebenbei: Während der Apparat läuft, verliert mein DSL-Modem die Synchronisation mit der Gegenstelle, es werden Frequenzen im selben Bereich (Langwelle) benutzt.

Siehe auch:

Externe Links:
  • Begriffserklärung Violet Wand bei Wikipedia.
  • Begriffserklärung Tesla-Spule bei Wikipedia.
  • Unmengen von Fotos von vielen verschiedenen Violet-Wand-Geräten bei Violetwanda.



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